Bin gerade bei Golem auf eine interessante Sache gestossen. Ich versuche mal, mit eigenen Worten zu erklären, was ich davon verstanden habe: einem (soeben von Google gekauftem) Web 2.0-Dienst kann man eine Genprobe (i.e. Spucke) von sich senden. Dort wird diese analysiert und die Ergebnisse in einem geschützten Bereich hinterlegt. Optisch hübsch aufbereitet kann man sich nun auf die Suche nach genetisch nah Verwandten machen und prüfen, ob man die eine oder andere Erbkrankheit hat, aber auch, ob es dafür vielleicht sogar schon Behandlungsmöglichkeiten gibt. Der aktuelle Stand der Forschung wird dabei laufend eingepflegt.
Zunächst: die allgemeine Infoseite zu Genen finde ich schön gemacht und eigentlich alleine eine Surftipp wert. Edutaintment pur, ohne dabei ungenau zu werden (soweit ich es beurteilen kann). Für Experten (Wissenschaftler und Mediziner) gibt es dann nochmal einen eigenen Bereich mit tiefergehender Information, der auch öffentlich zugänglich ist.Zum eigentlich Geschäftsmodell kann ich wenig sagen: wenn man seine Spucke eingeschickt und knapp 1.000 Dollares überwiesen hat, bekommt man Zugang zu web-basierten Tools, mit denen man sein Genom untersuchen und auswerten kann. Ich zitiere mal:
You can discover your origins, learn what the latest genetic findings may mean for you, and connect genetically with friends, family, and others across the globe.Hm. Vielleicht wird es irgendwann mal preiswerter, im Moment ist das noch nix für mich.
So, jetzt ist eines absehbar: es wird neue Verschwörungstheorien geben, der gläserner Mensch wird kolportiert und sowohl die Regierungen als auch Google sind ganz böse.
Ich habe da eine eigene Theorie: Weder die Regierungen noch Google interessieren sich dafür, ob ich einen genetisch bedingten Hang zum Nasenbohren habe. Und falls es anders wäre - einen Unterschied gäbe es dann doch: das Motiv von google (nämlich Geld zu verdienen) ist weitaus weniger fragwürdig als alle theoretisch denkbaren Motive einer Regierung.
Wohlgemerkt: ich bin schon dafür, dass jeder Mensch ein Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung hat, die nur durch die Judikative und nur soweit absolut notwendig und in Ausnahmefällen aufgehoben werden kann. Mich stört halt dieses unreflektierte, reflexartige Gegröle nach besserem Datenschutz. Es ist für mich immer weider erstaunlich, wie voreingenommen und ... konservativ gerade junge, technikaffine Menschen des politisch tendenziell linken Spektrums reagieren. Von ihnen würde ich eigentlich einen konstruktiven, neugierigen und offenen Umgang mit neuer Technologie erwarten.
Unsere Gesetze sind meines Erachtens gar nicht mal so schlecht, was Datenschutz angeht, sogar mit Vorratsdatenspeicherung. Dass diese Gesetzte von selbstgerechten Richtern und überforderter Exekutive teilweise lax, übereifrig, unbedacht und teilweise schlich tfalsch umgesetzt werden, ist freilich kritikwürdig und muss angegangen werden, kein Vertun!
So, Community, jetzt dürft ihr mich bashen :)
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