Nachfolgend ein etwas längeres Zitat, das derzeit die Blogosphäre arg erhitzt. Es stammt von Michael Konken, dem Bundesvorsitzenden des DJV (Deutscher Journalisten-Verband). Um den ... nun ja, etwas polemischen Ton richtig einordnen zu können, sollte man noch wissen, dass es sich um den Auszug aus einer
Rede handelt, die er vor "seinen" Funktionären, also Verbandsmitgliedern, gehalten hat.
"Der Onlinebereich ist aber auch ein Bereich, den wir verstärkt unter qualitativen Kriterien werten müssen. Nicht jeder, der sich dort als Journalist bezeichnet, hat etwas damit gemeinsam. Uns steht es gut zu Gesicht, wenn wir Richtlinien finden, um Müll von Qualität zu trennen und dies den Internetkonsumenten deutlich machen. Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen, die aber Persönlichkeitsrechte verletzen, sich nicht an unsere Postulate wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit halten. Sie treiben ihr mieses Geschäft mit Veröffentlichungen, gegen die wir oft rechtlich nicht vorgehen können, die aber nicht selten ihre Voyeure finden.
Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen."
Ei nun. Woran sich nun viele "Kollegen" stossen, ist der sorgfältig gestreuten Gebrauch des Begriffs "Schmierfink" im Zusammenhang mit den Bloggern und die Schmähung als "feige".
Wenn man schnell über den Text liest (wie man das halt heutzutage im Internet leider allzuoft macht), kann einem schon die Hutschnur hochgehen: Sind doch alle Blogger Schmierfinken. Wenn man dann nochmal genauer nachliest (scheint, als würden das nicht allzuviele "Kollegen" machen), relativiert sich das ganze schon ein wenig: der gute Mann spricht von Personen, die sich selbst als Journalisten bezeichnen. Aha. Ich frage mich zwar, welche Blogger-Kollegen er damit meint, aber dagegen darf man schon etwas haben, finde ich: ein echter Journalist würde
wahrhaftig berichten, ungeachtet seiner privaten Einstellung, fair gegen Andersdenkende und alles natürlich mit Quellen abgesichert. Meinungen des Jounalisten werden klar als solche gekennzeichnet und die Welt ist schön. Oder?
Nein. Die Rede von Herrn Konken ist polemisches Gelaber weil:
- Wer kennt eine nennenswerte Anzahl Blogs, deren Autor sich als Journalist bezeichnet? Ok, zwei oder drei kenne ich wirklich, und vermutlich gibt es noch ein paar mehr, aber die tun das deswegen, weil sie in ihrem "echten" Leben für eine Zeitung schreiben oder Radioberichte machen oder im Fernsehen herumhüpfen, ich vermute, die dürfen sich auch so als Journalisten bezeichnen ...
- Wer kennt Blogs, bei denen der Autor nicht mit zwei oder drei Klicks ermittelbar ist? Ich meine jetzte solche Blogs, die einen nennenswerten Einfluß auf die politischen Bildung des Bundesbürgers haben, keine Blümchen-Blogs.
Er hatte also offensichtlich entweder keine Zeit oder keine Lust, sich selber einen Eindruck zu verschaffen, zu recherchieren, wie die Jounalisten dazu sagen. Und das halte ich schon für fragwürdig.
Ich verstehe ihn aber schon. Er möchte wieder gewählt werden, und das geht am besten, wenn man ein gemeinsames Feindbild hat. Ich habe keine Ahnung, ob er das bei seinen Funktionären hinbekommen hat - ich bin aber sehr sicher, dass er sich wunderbar als Feindbild für die Blogosphäre empfohlen hat.
Ach ja, Herr Konken, falls Sie meinem Blog durch Ihren Besuch die Ehre geben: mein Name steht im Impressum und ich bin kein Journalist.