Dieser Post wird nicht so lange wie der über den Herrn Konken, denn vieles wurde schon dort gesagt.
Man findet in dem, was gemeinhin als Blogosphäre bezeichnet wird, sicherlich haufenweise anonyme Schmutzfinken und unprofessionelle Möchtegern-Journalisten, da hat Herr Graff schon recht. Bei ihm geht es aber so weit, dass er nur Journalisten zugesteht, eine eigene Meinung öffentlich zu machen, zu publizieren. Dass auch Nicht-Journalisten durchaus in der Lage sind, Medien zu nutzen, sich eine eigene Meinung zu bilden, ist ihm sicherlich auch klar (oder?). Diese Meinung in einem Blog oder Forum zur Diskussion zu stellen, ist für mich nur ein kleiner und logischer Schritt - er scheint dies als Angriff auf seinen Berufsstand zu verstehen. Was dieser Tage nicht unüblich ist.
Weiterhin macht er den für viele Journalisten typischen Fehler, zu pauschalisieren und zu verschlagworten. Das ist bis zu einem gewissen Punkt normal: für ein differenziertes Bild hat ein Journalist heutzutage wenig Zeit, ausserdem müssen Gedanken den Lesern vorgekaut werden, damit sie verstanden werden. Ganz nebenbei hilft ein klares Profil mit markigen Sprüchen der Selbstvermarktung, auch wenn man die Dinge, die man erzählt, nicht unbedingt selber glaubt. Die Hinterbänkler eines jeden Parlaments machen es doch genauso: man sucht sich ein Thema, das einem halbwegs liegt, wartet auf das Sommerloch und vertritt dann eine provokante These, die Widerspruch provozieren muss. Richtig in die Suppe hauen - so wird man ministrabel.
Einen wesentlichen inhaltlichen Aspekt blendet er auch aus: ohne Blogosphäre wäre die Diskussion über Vorratsdatenspeicherung (inklusive dem gerade für Journalisten so wichtigen Zeugnisverweigerungsrecht) deutlich leiser. Dass sich auch daran ein großer Haufen Schreihälse beteiligt - mein Gott, warum soll es in der Blogosphäre anders zugehen als im Bundestag oder bei der DJV-Tagung? Das muss man abkönnen in einer Demokratie.
Und dann ist da noch die Sache mit dem Glashaus (ich pauschaliere hier auch ein bisschen :). Wenn man objektiv die Qualität von Journalismus messen könnte, würde ich mal behaupten, dass sich die Profis auch nicht immer mit Ruhm bekleckern. Belanglosigkeiten, schlampige Recherche, miserable Rechtschreibung und Verleumdungen sind da eben auch an der Tagesordnung. Und führen zu dem interessanten Effekt, dass ich lieber Niggemeiers BILDblog lese als die BILD.
Ach ja, die SZ ist künftig auch nicht mehr auf meiner Leseliste. Gute Nacht.
Nachtrag vom 18.12.2007: Mein Gott! Wozu die Aufregung! Man hat mir zugetragen, der Herr Graff sei nur stellvertretender Chefredakteur der Online-Ausgabe der SZ! Und ich hatte tatsächlich gedacht, er wäre jemand wichtiges ... tja, da muss ich mich wohl verlesen haben. Gottseidank darf ich das, im Gegensatz zu einem echten Journalisten :)
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