In Stuttgart hat ein kleines Kind den Vorraum einer Bank mit ... naja, Hundekot verschmutzt. Wie genau, will ich gar nicht wissen. Jedenfalls hat die Bank der Mutter nun kommentarlos eine Rechnung geschickt. Gut, soweit. Man hätte das vielleicht ein wenig sensibler handhaben können (ein Anruf und das Thema wäre vielleicht aus der Welt). Aber: die Bank war nicht nur ein wenig unsensibel, sondern hat sich wohl der Kritik von Datenschützern ausgesetzt. So wie es aussieht, hat man die Adresse der Mutter mit dem Timestamp der Video-Aufzeichnung und den Transaktionslogs des Geldautomaten, den die Mutter bedient hat, herausgefunden - wenn das wirklich so war, sind die Datenschützer nicht ganz zu Unrecht sauer, zumindest hätte man wohl besser mal einen Juristen gefragt. Wobei ich gar nicht uncool fände, wenn Hundekackeliegenlasser fortan immer eine gesalzene Rechnung bekommen würden.
Jetzt ein Bogen zur Vorratsdatenspeicherung. Ich habe wirklich Verständnis für die Bank. Wenn meinem Nachbarn jemand die Autotür zerkratzt, wäre der auch froh, wenn er den Verantwortlichen packen könnte. Ich habe auch Verständnis dafür, dass die Bank Video-Aufzeichnungen vom SB-Terminal macht, denn leider muss heutzutage davon ausgegangen werden, dass SB-Geräte Ziel krimineller Energie sind. Wer nicht weiß, wovon ich hier spreche, dem gehört es nicht anders, wenn ihm demnächst viel, viel Geld, abgehoben von einem ukrainischen Geldautomaten, fehlt.
Aber.
Dieses Beispiel zeigt exemplarisch, warum die Vorratsdatenhaltung keine clevere Idee ist, zumindest keine ausgereifte. Was dazu gedacht ist, schwere Kriminalität zu verhindern, wird nicht vielleicht, sondern wird sicher dazu genutzt, solche Trivialitäten wie in Stuttgart zu verfolgen, wenn es nicht hinreichend kontrolliert wird. Also sollte ein Gesetz wie die Vorratsdatenspeicherung auch diese Kontrolle sicherstellen. Oder gar nicht in Kraft treten, wenn die Kontrolle nicht sinnvoll möglich ist. Womit wir beim klassischen "who-watches-the-watchmen"-Thema wären. Ich gehe mal davon aus, dass dem Bankmitarbeiter gar nicht wirklich klar war, welches Fass er da aufgemacht hat - er war einfach der Nachbar mit der zerkratzen Autotür. Und exakt das ist das Problem: Missbrauch der Daten wird passieren, das scheint sich immer mehr als Axiom herauszustellen.
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