Blogs sind interessante mediale Bereicherungen, Betreiber von Blogs in totalitären Staaten sichern die Meinungsfreiheit.
Und weiter geht es damit:
Es gibt aber auch solche, die meinen, sie handeln journalistisch, müssten sich dem ungeachtet aber an keine journalistischen Regeln handeln. Sie fühlen sich fälschlicherweise als Gründer eines neuen Journalismus, der keine Grenzen kennt. Eine Meinungsanarchie, die mit Journalismus nichts zu tun hat. Es handelt sich um virtuelle Anarchen, für die eine grenzüberschreitende Meinungsäußerung wichtiger ist als journalistische Sorgfaltspflichten und Persönlichkeitsrechte. Wer diese aber ablehnt, verwirkt seine Rechte als Journalist, mißachtet die ihm mit diesem Beruf übertragene Verantwortung [...] Betätigen sich Journalisten in Blogs oder Foren und öffnen der freien, oft anonymen Meinungsäußerung Tür und Tor, dann haben sie eine besondere Verantwortung. Eine Verantwortung, die darin besteht, in moderierender Weise durch die Themen zu leiten, Verletzungen von Persönlichkeitsrechten zu erkennen und zu ahnden.
Was ich von seinem ersten Ausbruch gehalten habe, ist hier nachzulesen. Kurzfassung: inhaltlich diskutabel, verbale Entgleisung, der Mensch wäre mir, würde ich ihn denn treffen, vermutlich hochgradig unsympathisch.
Jetzt wird mich die Blogosphäre aber hassen: ich empfinde diesen Text fast schon als Zurückrudern, nicht als Verschärfung. Immerhin sind nicht mehr alle Blogger unter Generalverdacht und es ist nur noch ein Teil der Blogosphäre ein Dorn in seinem geschmackvoll und randlos bebrillten Auge. Außerdem muss man ihm zugestehen, dass in den Aussagen ein Kern Wahres steckt: es gibt viel unausgegorene Halbwahrheiten da draussen in der Blogosphäre, mit denen der Konsument erst lernen muss umzugehen. Bei einer Bild-Zeitung weiß man schließlich, was einen erwartet (vielmehr: man erwartet wenig ...), hinter einem seriös anmutenden Blog kann sich schon mal ein verbaler Brandstifter verbergen (BTW: mich würde mal interessieren, warum das Medium nicht stärker von Scientology und sonstigen Spinnern genutzt wird ... oder wird es schon? Ui, ich setze hiermit eine neue Verschwörungstheorie in die Welt!). Das Phänomen kennen wir von der Wikipedia - echt sinnvoll, aber wer sich zu 100 % darauf verlässt, ist selber schuld.
Was stört mich also noch?
Nun ja, zum einen, ich erwähnte es: der Herr Konken ist mir nicht sonderlich sympathisch. Das ist meine Meinung, ich heiße Peter Corticelli und ich kann nicht anders. Nur für den Fall dass Herr Konken das liest, damit er nicht sagen kann, das wäre anonym. Aber kratzen wird ihn das eh´ kaum.
Zum anderen, dass auch der "klassische" Journalismus von solchen Anwürfen frei ist. Wer das Bildblog verfolgt, weiß, was ich meine, und Unsauberheiten passieren überall, auch bei der FAZ, Monitor oder Spiegel. Das ökonomische Prinzip gilt auch bei den Medien, und das Bild vom moralischen Journalisten, der angesichts von Abgabetermin und Zeilenvorgaben allen Verlockungen, Geld und Zeit für Recherchen zu sparen widersteht, ist halt doch ein klein wenig idealisiert. Es gibt auch keine geheime Initiation, bei der ein Journalist einen Eid auf irgendwelche Regeln oder einen Berufsethos schwört.
Es bleibt die Frage nach der Motivation: was treibt den Herrn Konken um? Ein gemeinsames Feindbild aufbauen? Interessant ist, dass er den Begriff des "neuen Journalismus" verwendet, nur um diesen sofort wieder zu negieren. Es soll vermutlich irgendwie väterlich klingen: "Liebe Blogger, ihr spielt ja schön Journalismus, aber jetzt könnt Ihr auch wieder aufhören, denn das ist kein Journalismus". Oder frei nach Richter Roy Bean: "Geh schon kleiner Rabauke!". Damit beantwortet er eine Frage, die niemand gestellt hat: mich würde wirklich eine Erhebung interessieren, wieviele Blogger ihr eigenes Tun als "Journalismus" bezeichnen würden. Aber einerlei, ob das Bloggen nun ein neuer Bürgerjournalismus ist oder nicht, sei für diesmal dahingestellt. Jedenfalls hat Konken Angst davor, stellvertretend für seine Schäfchen. Und auch das ist vermutlich überflüssig.
via cio weblog
[...] hingewiesen, dass Google-News jetzt auch lokal kann. Ausprobiert: klappt. Tja, Herr Burda und Herr Konken, scheint, als wärt Ihr als nächstes dran. Wenn es gefallen hat: Bookmarken! Diese Icons [...]
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